Aktuelle Spielzeit

Antike Abbildung des Amazonen-Mythos
Antike Abbildung des Amazonen-Mythos

Die Schutzbefohlenen

                    Aischylos | Jelinek | TheaterAG.WeG

Der Vertriebene ist aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen worden (oder hat sich daraus herausgerissen). In der gewohnten Umgebung werden nur Veränderungen, nicht aber Permanenz wahrgenommen. Im Exil ist alles ungewöhnlich. Das Exil ist ein Ozean von chaotischen Informationen. Es ist, da ungewöhnlich, unbewohnbar. Man muss, um dort wohnen zu können, die umherschwirrenden Informationen zu sinnvollen Botschaften erst verarbeiten. Das ist eine Frage des Überlebens: Leistet man diese Aufgabe nicht, wird man von den Wellen des Exils verschlungen. Der Vertriebene muss kreativ sein, will er weiterkommen. Und man muss ihn lassen.

(aus: »Von der Freiheit des Migranten«, Vilém Flusser, S. 103ff)

In diesem Schuljahr hat sich die TheaterAG.WeG mit den Themen Flucht und Heimatverlust beschäftigt. Basis dieser Arbeit sind zwei Texte:
Im griechisch-antiken Text von  Aischylos werden die Schutzflehenden, werden, gemäß dem griechisch-antiken Gastrecht, in die Gemeinschaft aufgenommen und können eine neue Heimat finden. Der Text Jelineks nimmt die Sicht der Schutzflehenden, Geflüchteten ein, die im modernen Europa eben bei weitem nicht so herzlich aufgenommen werden. Dieser Widerspruch wurde dann zu unserem zentralen Thema, das die Spielenden mit eigenen Texten und Gedanken angereichert haben. In vielen Proben haben wir uns dem Thema verpflichtet, eine Haltung angenommen und uns gefragt, wie unser Stück mit der Geflüchtetenthematik umgehen will.

Dabei wurden (Heimat-)Erde und das auf der Flucht übers Meer allgegenwärtige Wasser zu unseren Materialien. Die Kraft des Wassers, die sowohl Heimaterde und Leben einfach wegspült, aber auch für den flüssigen, immer bewegten, unbeheimateten Zustand Geflüchteter stehen kann, zu unserem zentralen Bild.

Die abschließende Forderung als TheaterAG.WeG sind unser innigster Wunsch und Antrieb.

Premiere ist am Freitag, den 08.07.2022, 19.30 Uhr in der Kulturmulde des Werkgymnasiums.

weitere Aufführungen:
Samstag, den 09.07.2022, 19.30 Uhr
Sonntag, den 10.07.2022, 19.00 Uhr

Letzte Änderung am 21.06.2022 von Marco Graša